Pareto-Prinzip

Das sich Perfektionismus nicht immer lohnt, besagt das vom italienischen Ökonom Vilfredo Pareto entdeckte und nach ihm benannte Pareto-Prinzip. Er schlussfolgerte bereits um 1900, dass weniger manchmal mehr ist. Das Prinzip ist auch als 80:20-Regel bekannt. Diese Effizienzregel fußt auf der Erkenntnis, dass sich bereits mit nur 20 Prozent Aufwand 80 Prozent Erfolg einheimsen lassen. Damit wird folglich der Zusammenhang zwischen Aufwand und Ergebnis beziehungsweise zwischen Ursache und Wirkung dargestellt. Beispielsweise erzielen viele Unternehmen einen Umsatz von 80 Prozent mit nur 20 Prozent ihres Kundenstammes. Der größte Teil aber schaut nur aus Neugier, erwirbt aber nichts. Noch drastischer sind die von Experten ermittelte Quoten für Shops im Internet. Nur einige, die im Internet auf einen Shop stoßen, bestellen auch Artikel. So kommt hier sogar zu einem Ergebnis von 95:5.

 

Das einst in Italien im Rahmen einer Statistik zum Volksvermögen entwickelte Pareto-Prinzip kann heute auf zahlreiche andere Bereiche, auch auf das Berufsleben, übertragen werden. Viele haben damit sicher schon eigene Erfahrungen gemacht und haben bemerkt, dass die Annahme bei 50 Prozent Aufwand auch ein 50 Prozent Ergebnis erreicht wird, nicht richtig ist. Dennoch darf das Pareto-Prinzip gerade im Arbeitsleben nicht zur Grundsatztheorie erhoben werden, denn wenn ein Vorhaben nicht mehr bis zum Schluss durchdacht, präsentiert und umgesetzt wird, kann das fatale Folgen haben. Bei sehr vielen Menschen erfordert die Arbeit größtmögliche Gewissenhaftigkeit bis zum Ende, damit sich der Erfolg einstellt. Arbeitsplätze die im medizinischen Bereich, in der Service- oder Baubranche und in der Autoindustrie ausgeübt werden, müssen sogar zu 100 Prozent erfüllt werden. Schließlich kann das neue Auto nicht nur zu 80 Prozent fertiggestellt oder der Patient nur zu 80 Prozent behandelt werden. In diesen Fällen ist es nicht nur klüger die Aufgaben zu 100 Prozent zu erfüllen, sondern zwingend notwendig. Ein Beispiel, bei dem die Theorie stimmig ist, ist die Projektplanung. Angenommen, sie ist zum größten Teil abgeschlossen, aber eben noch nicht komplett. Bis hierhin ging mit der Planung alles ganz gut voran, doch für die letzten Details braucht man noch mal mehrere Tage. Oder in Meetings werden oft beinahe alle wichtigen Entscheidungen in kurzer Zeit getroffen, über den Rest wird aber noch endlos lang diskutiert. Doch auch in der Wirtschaft kommt die 80:20-Regel häufig zum Tragen, wie schon anhand des Einkaufsverhaltens dargestellt wurde. Sicher weicht die Regel je nach den vorliegenden Rahmenbedingungen ab, trotzdem bleibt der Trend mit 80:20 zum größten Teil erkennbar.

 

Vilfredo Paretos Prinzip der Unausgewogenheit bringt die Frage mit sich, was nun tatsächlich Vorrang hat und wohin die Entwicklung gehen soll. Es wird in Frage gestellt, dass ein großer Zeitaufwand ebensolchen Effekt nach sich zieht, was dazu führt, dass Zeitmanagement eventuell neu zu gestalten.

„Zum Vorwärtskommen gehört Unangenehmes: Wenn du höher hinaus willst als die große Menge, so mache dich zum Leiden bereit.“ Carl Hilty

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© Stephan R. Luedtke