Minimumprinzip

Mit dem ersten Prinzip der engpass-konzentrierten Strategie (EKS) lassen sich bereits große Erfolge erzielen. Jedoch können sie noch erhöht werden und zwar mit der Lenkung der Kräfte oder Ressourcen auf den wirkungsvollsten Punkt. Dabei stellt sich die Frage, wie dieser Punkt gefunden werden kann. Die Antwort liefert das Minimumprinzip. Entdeckt worden ist es von Phillip Carl Sprengel. In der Öffentlichkeit bekannt gemacht, hat es Justus von Liebig, weswegen das Gesetz seinen Namen trägt.

 

Minimum-Gesetz von Liebig

Das Gesetz besagt, dass das Wachstum einer Pflanze durch die knappste Ressource (Wasser, Stickstoff, Kalk, Dünger, Licht etc.) behindert wird. Diese knappe Ressource wird als Minimumfaktor oder Engpass bezeichnet. Es handelt sich also um den wachstumshemmenden Faktor, der das Wachstum der Pflanze verhindert. Das weitere Gedeihen der Pflanze erfolgt selbst dann nicht, wenn alle anderen Faktoren im Überfluss vorhanden sind. Unter Umständen kann ein Übermaß sogar schädlich für die Pflanze sein. Angenommen, der Pflanze fehlt Wasser (Minimumfaktor) und Stickstoff, Kalk, Dünger, Licht sind im Übermaß vorhanden trotz des Überflusses wird die Pflanze nicht weiter wachsen. Erst durch Hinzufügen des Minimumfaktors (Wasser) wird das Wachstum fortgesetzt, jedoch nur so lange, bis eine andere Ressource zum Minimumfaktor wird. Aufgrund der Beseitigung des Minimumfaktors (Wasser) ist die Pflanze gewachsen und benötigt mehr Licht (neuer Minimumfaktor), als derzeit zur Verfügung steht. Somit wird deutlich, dass sich der Minimumfaktor regelmäßig verändert.

 

Diese Gesetzmäßigkeit der Natur wendet die EKS auf Märkte und Unternehmen an, denn Märkte und Unternehmen sind – analog biologischen Organismen – vernetze und komplexe Systeme. In solchen Systemen steht eine Vielzahl materieller und immaterieller Faktoren miteinander in Beziehung. Veränderungen eines Faktors führen somit zu Veränderungen anderer Faktoren. Was für Pflanzen Wasser, Stickstoff, Kalk, Dünger, Licht sind, sind für Unternehmen Nachfrage, Know-how, Personal, Beschaffung/Produktion, Innovation und Kapital. Ist einer dieser Faktoren nur ungenügend vorhanden, kann sich die Unternehmenssituation trotz einer optimalen Produkt-Markt-Strategie nicht oder nur wenig verbessern. Konzentriert sich ein Unternehmen aber auf den zentralen Minimumfaktor bzw. Engpass und löst ihn, wird eine starke positive Wirkung ausgelöst. Da Unternehmen in ein vernetztes System eingebettet sind, führt die Lösung zu einer Kettenreaktion. Es lösen sich viele Probleme von selbst und das Lösen verbleibender Probleme wird einfacher. Jedes vernetzte System verfügt über einen solchen kybernetisch wirkungsvollsten Punkt, von dem aus die Entwicklung des gesamten Systems gesteuert werden kann.

 



„Nicht wie, sondern wo sie zu schlagen, ist entscheidend!“

 

Die EKS unterscheidet zwischen dem externen (primären) und internen (sekundären) Minimumfaktor. Beim internen Minimumfaktor handelt es sich um einen betrieblichen Engpass. Dieses Problem hindert das Unternehmen daran, der Zielgruppe den optimalen Nutzen zu bieten. Sofern dieser Engpass beseitigt wird, kann sich das Unternehmen optimal weiterentwickeln. Beim externen Minimumfaktor handelt es sich um einen Engpass, der die Zielgruppe am Wachsen hindert. Wird dieser Minimumfaktor beseitigt, bietet das Unternehmen genau die Leistung (Dienstleitung oder Produkt), die die Zielgruppe benötigt. Mit dieser Leistung hat das Unternehmen den wirkungsvollsten Punkt getroffen und besitzt die stärkste Marktposition. Als wichtige Regel gilt: Der externe Minimumfaktor hat immer Vorrang vor dem internen.

 

„Wer die externen Engpässe kontrolliert, besitzt gleichzeitig die stärkste Machtposition auf dem Markt.“

 

Ein anderes Beispiel für die erfolgreiche Konzentration auf den wirkungsvollsten Punkt ist David gegen Goliath, denn David besiegte Goliath genau deswegen, da er sich auf den wirkungsvollsten Punkt konzentrierte – Goliaths Stirn. Es kommt also nicht auf die absolute Größe des Ressourceneinsatzes an, sondern darauf, dass dieser konzentriert seine Wirkung entfaltet.

 

Somit ist es wichtig den wirkungsvollsten Punkt (internen und externen Minimumfaktor) des relevanten Systems zu kennen (Märkte und/oder Unternehmen). Mit dem gezielten Kräfteeinsatz gelingt es Unternehmen ihren Kunden den größtmöglichen Nutzen zu bieten.

 

Damit wird deutlich, dass die wichtigste Frage für Unternehmen lautet: Was ist der wirkungsvollste Punkt? Bereits der Management-Guru Peter Drucker sagte: „Tue die richtigen Dinge“. Seine Worte im Sinne der EKS lauten: Finde den wirkungsvollsten Punkt bzw. wachstumshemmenden Faktor, löse ihn und widme dich dem nächsten.

 

Diese Vorgehensweise ist besonders in unserer zunehmend dynamischeren, komplexeren und vernetzteren Welt erfolgsversprechend. Sich auf den größten Engpass zu konzentrieren, hat zwei wesentliche Vorteile:

 

  • Unternehmen können nicht an allen Fronten aktiv sein und verfügen über limitierte Ressourcen (Kapital, Mitarbeiter etc.). Die Fokussierung auf den wirkungsvollsten Punkt stelt eine effiziente Vorgehensweise dar.
  • Die Lösung eines Engpasses führt meist zu einer Kettenreaktion. Anschließend lassen sich noch bestehende Herausforderungen einfacher lösen

 

Aufgabe eines Strategen ist also ausgehend von vorhandenen Kräften –,den Angriffspunkt so festzulegen, dass die Ressourcen die größtmögliche Wirkung entfalten werden.

 

Quellen:

 

Vgl. Bürkle, Hans (Hrsg.): Mythos Strategie, Mit der richtigen Strategie zur Marktführerschaft Die Erfolgsstrategien von 15 regionalen und globalen Marktführern, 2. aktualisierte und ergänzte Auflage 2012, Wiesbaden

 

Vgl. Friedrich, Kerstin, Malik, Fredmund und Seiwert, Lothar: Das große 1x1 der Erfolgsstrategie, EKS® – Erfolg durch Spezialisierung, 17. aktualisierte Auflage 2013, Offenbach

 

Vgl. Friedrich, Kerstin: Fokus finden, Erfolg durch engpasskonzentrierte Strategie, Quadro 26, 2012, Berlin

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„Zum Vorwärtskommen gehört Unangenehmes: Wenn du höher hinaus willst als die große Menge, so mache dich zum Leiden bereit.“ Carl Hilty

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